Auf einem Basaltkegel zwischen Sinsheim und Weiler steht weithin sichtbar die Burg Steinsberg, auch „Kompass des Kraichgaus“ genannt. Im frühen Tertiär vor etwa 60 Millionen Jahren entstand an dieser Stelle ein Vulkan. Das erkaltete Vulkangestein ist am Fuße der äußeren Burgmauer stellenweise heute noch sichtbar.
Bei schönem Wetter kann man im Nordwesten den Königstuhl bei Heidelberg, im Nordosten den Katzenbuckel (Naturpark Neckar/Odenwald), im Süden den Stromberg, im Westen Phillippsburg (Pfälzer Wald) und noch viel mehr sehen. Heute ist die einzigartige Burganlage ein beliebtes Ausflugsziel im Kraichgau. Interessante Führungen machen den Besucher nicht nur mit der Baugeschichte, sondern auch mit den Geheimnissen seiner Bewohner vertraut.
Erstmalig wurde die Burg Steinsberg in einer Urkunde des Hirsauer Codex im Jahre 1109 erwähnt. Erster Burgherr war Eberhardus von Steinsberg, aus dem Geschlecht der Werinharde, deren letzter Nachkomme in der 2. Hälfte des 12. Jahrhunderts vom Dichter Spervogel besungen wurde. Von der frühen Burganlage gibt es keine sichtbaren Zeugnisse mehr. Um 1180 ging die Burg in den Besitz der mächtigen Grafen von Oettingen, die zwischen 1225-1250 den Bergfried (Turm) und die Mantelmauer erbauen ließen. Die Bauweise des Bergfrieds aus sorgfältig bearbeiteten Buckelquadern mit vielfältigen Steinmetzzeichen weist Ähnlichkeiten zu staufischen Bauten in Italien auf (Castel del Monte, Apulien und Enna, Sizilien). Der knapp 30 m hohe Bergfried mit rund 4 m dicken Mauern gehört mit seiner regelmäßigen Steinbearbeitung, mit Kamin und Steinbalkendecke zu den schönsten seiner
Zeit.
Ab 1307 war die Burg im Besitz der Pfalzgrafen. In diese Zeit fällt die Erweiterung der Burganlage. 1436 wurden der innere Zwinger, das zweite Tor mit Wehrturm, das dritte Tor, der Palas mit Kemenate und die Burgkapelle fertig gestellt. 1517 erwarben Hans Hippolyt und Ludwig von Venningen die Burg. 1525 wurde die Burg während des Bauernkrieges durch den Kraichgauer Haufen unter Führung des Pfarrers Anton Eisenhut gestürmt. Alle Holzteile wurden herausgerissen und im Burghof verbrannt. 2 Jahre später wurde die Burg mit Strafgeldern der Bauern wieder instand gesetzt. In den Wirren des 30-jährigen Krieges erlebte die Burg wechselnde Besatzungen. 1777 gaben die Herren von Venningen die Burg nach einem Blitzeinschlag endgültig auf. Danach verfiel die Burganlage mehr und mehr. Erst 1792 wurde der Turm durch einen ebenerdigen Eingang zugänglich gemacht.
1973 erwarb die Stadt Sinsheim die Burganlage und rettete sie vor dem drohenden Verfall. Seit dieser Zeit wurden erhebliche Mittel für die Sanierung und Erhaltung der Burg aufgewendet. Vom Bergfried aus genießt der Besucher einen herrlichen Rundblick.
Quelle: Folder der Stadt Sinsheim, "Burg Steinsberg - der Kompass des Kraichgaus"
